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Wie ein NS-Gegner zum Antisemiten wurde

Die Umbenennung der Meiserstrasse in München oder
Landesbischof Hans Meiser -
erst geehrt, dann von Politik, Justiz und Kirche im Stich gelassen

Noch residiert Bayerns Evangelisch-Lutherische Kirche in der Meiserstrasse zu München. Doch das wird sich bald ändern: die neuen Schilder "Katharina-von-Bora-Strasse" sind schon vorgeprägt. Der Wechsel wurde von eifernden Antifaschisten erzwungen; der Eifer der Landeskirche, sich dagegen zur Wehr zu setzen, hielt sich in sehr überschaubaren Grenzen.
Benannt war die Strasse nach Landesbischof Hans Meiser (1881 bis 1956), den der damalige SPD-Oberbürgermeister Thomas Wimmer damit als Gegner des NS-Regimes ehren wollte. Dessen Nachfolger Christian Ude, ebenfalls SPD, sieht das ganz anders: Meiser habe "in menschenverachtender Weise einen religiös begründeten Antisemitismus vertreten", begründete er in einer Ratssitzung im Juli 2007 die "Entnennung" der Meiserstrasse.
Landesbischof Johannes Fried­rich protestierte zwar gegen diese "Zumutung" und die dahinter vermutete "political correctness". Damit war der Widerstand der Landeskirche aber auch erschöpft. Gegen den Akt der rot-grünen Ratsmehrheit raffte sich lediglich der Enkel des entehrten Bischofs, Christian Meiser, zur Klage auf - leider, wie gemeldet, ohne Erfolg.
Die Angriffe auf Hans Meiser stützen sich im wesentlichen auf einen Aufsatz im "Evangelischen Gemeindeblatt für Nürnberg" im Jahre 1926. Zuvor hatte das NS-Kampfblatt "Stürmer" sich ereifert, dass auf einer kirchlichen Veranstaltung ein "getaufter Jude" über christliche Berufsethik reden durfte. Meiser, damals Leiter des Nürnberger Predigerseminars, wies die "Stürmer"-Hetze energisch zurück, indem er zwar - dem Zeitgeist folgend - einen angeblich unangemessenen Einfluss der Juden kritisierte, sich aber entschieden davon distanzierte, dass "Juden bloss um ihrer Rasse willen ... als minderwertige Menschen angesehen werden". Meiser weiter: "Der Kampf gegen das Judentum hat unter uns solche Formen angenommen, dass alle ernsten Christen förmlich genötigt sind, sich schützend vor die Juden zu stellen."
Anders als heutige Vergangenheitsbewältiger waren die Nationalsozialisten durchaus in der Lage, Meisers Aufsatz richtig einzuschätzen. Der Geistliche, 1933 zum Landesbischof gewählt, war fortan als Gegner der NS-Ideologie registriert. Sein "Gefahrenpotential" wurde so hoch eingestuft, dass Hitler ihn zum Gespräch vorlud. Meiser, stets um diplomatische Wortwahl bemüht, warnte den Führer, es bleibe der Kirche "nichts anderes übrig, als seine allergetreueste Opposition zu werden". Das Treffen endete mit einem Wutanfall Hitlers: "Feinde des Vaterlandes, Verräter des Volkes sind Sie."
Die Folgen bekam Meiser bald zu spüren. Reichsbischof Ludwig Müller erklärte ihn für abgesetzt und ließ ihn von der Gestapo verhaften. Nach massiven Protesten Tausender bayerischer Christen - ein in der NS-Zeit einmaliger Vorgang - wurden die Massnahmen nach 14 Tagen aufgehoben . Meiser blieb im Amt und seine bayerische Landeskirche unabhängig.
Wie der Bischof das schaffte, beschreibt der ehemalige Münchner Dekan Martin Bogdahn: "Meiser bringt häufig zuerst dem Zeitgeist ein gewisses Verständnis entgegen, um dann unter dem Deckmantel dieses Entgegenkommens Bedenken, Warnungen oder auch Widerspruch vorzutragen." So richtete der angebliche "Antisemit" eine kirchliche Hilfsstelle ein, die nachweislich mindestens 126 Juden das Leben rettete.
Für die Ehre dieses Bischofs will die heutige Landeskirche nicht mehr kämpfen. Widerstandslos nimmt sie die Umbenennung in Katharina-von-Bora-Strasse hin. Ob die von Dauer sein wird, ist angesichts des Enthüllungseifers selbsternannter Antifaschisten fraglich. Die Namensgeberin war schließlich Martin Luthers Ehefrau, und von dem ist folgendes Zitat überliefert: "Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist's um diese Juden... Wenn ich könnte, wo würde ich ihn [den Juden] niederstrecken und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren." Vielleicht sollte man in vorauseilendem Antifasschismus alle deutschen Strassen nur noch nach Blumen, Tieren, Städten oder Berggipfels benennen - es muss ja nicht gerade der Obersalzberg sein.     H.-J.Mahlitz

"Es gilt das gebrochene Wort..."

Kommentar zum hessischen Wortbruch

Von Hans-Jürgen Mahlitz


So ändern sich die Zeiten: Wo einst Holger Börner "mit der Dachlatte" Distanz zu radikalen Kräften am linken Rand markierte, ließ Andrea Ypsilanti es bei verbaler Abgrenzung bewenden. Die allerdings fiel deutlich genug aus - nie und nimmer lasse sie sich mit Stimmen der ultralinken Schmuddelkinder ins heißersehnte Ministerpräsidentenamt hieven, so markig klangen die Worte der hessischen SPD-Spitzenkandidatin vor der Wahl.

Und so gleichen sich die Zeiten denn doch wieder: Wie einst im Herbst 1985 Börner, so wollte nun Frau Ypsilanti das exakte Gegenteil dessen machen, was sie vorher so vollmundig versprochen hat - "es gilt das gebrochene Wort..." Mit den Stimmen jener Linkspartei, die noch wenige Tage zuvor als absolut koalitions- und politikunfähig abserviert wurde, wollte die SPD sich in Wiesbaden an die Macht mogeln.

Was die von eigenen Gnaden designierte hessische Beinahe-Regierungschefin dann dem staunenden Publikum vorführte, war nur noch peinlich und unappetitlich. Zunächst einmal versuchte sie allen Ernstes, den geplanten Wortbruch anderen anzulasten. Erst sollte es die FDP schuld sein - da erdreisten sich diese Liberalen doch, den Verlockungen von Lüge  und Wählerbetrug zu widerstehen! Der nächste "Dieb", den es zu halten galt: Noch-Ministerpräsident Roland Koch, der einfach nicht abdanken will, obwohl er der nach wie vor stärksten Fraktion vorsteht! Weitere Schuldige gefällig? Bitte sehr: der Wähler, dessen angeblicher "Willen" die bedauernswerten Politiker erst in diesen Schlamassel gestürzt hat! Nun sollte das Wählervolk die gerechte Strafe in Form einer rot-rot-grünen Landesregierung ereilen.

Eine einzige aufrechte SPD-Abgeordnete verhinderte, daß der Wortbruch vollzogen wurde. Das gebrochene Wort wurde so eben mal erneut gebrochen; wie lange das nun gilt, weiß kein Mensch. Ypsilantis Herumeiern - Beck liebt mich, Beck liebt mich nicht, Beck liebt mich - macht aus der Lüge noch keine Wahrheit.

Womit haben die Hessen das verdient? Und womit hat Deutschland das verdient? Denn daß der Wiesbadener Wortbruch - so oder so - nicht ohne Folgen bleiben wird, sollte doch klar sein. Wie einst, als Börner die Dachlatte weglegte und sich mit Turnschuhminister Fischer verbandelte. Damit machte er die Grünen salonfähig.

Damals sollte es noch 13 Jahre dauern bis zur erstmaligen rot-grünen Bundesregierung. Diesmal wird es, trotz des taktischen Rückruderns, wohl schneller gehen. Vielleicht wird das Kalkül des derzeitigen SPD-Chefs noch nicht aufgehen. Warum er den Wortbruch erst einfädelte und dann Tapfer mißbilligte, mochte der wundersam Erkrankte und ebenso wundersam Genesene noch so eloquent erklären - Kurt Beck wirkt eher wie jemand, der schon bald sein politisches Verfallsdatum erreicht haben dürfte. Aber da stehen schon Genossen wie Klaus Wowereit bereit: Er hat hinreichend Erfahrung mit Rot-Rot und dürfte mit Gysi und Lafontaine keine Probleme haben.

Während die Sozialdemokratie sich - ohne Rücksicht auf ihren einst guten Ruf, siehe Kurt  Schumacher oder Annemarie Renger - ungeniert wieder mal eine neue Koalitionsoption erschließt und so dafür sorgt, daß keine linke Stimme der Fünf-Prozent-Sperre zum Opfer fällt, verharrt das bürgerliche Lager in Nibelungentreue zu der altehrwürdigen Position, rechts von den Unionsparteien  dürfe es nur die Wand geben. Statt wertkonservativen und patriotischen Demokraten eine politische Heimat entweder selber zu bieten oder wenigstens in kleineren "rechten" koalitionsfähigen Parteien zuzulassen, wird nach links geschielt, wo angeblich die Mitte ist. Wo aber in Wahrheit nichts zu holen ist. Zumindest keine Wählerstimmen, höchstens höhnischer Beifall von der falschen Seite.

Das unappetitliche Schauspiel, das Ypsilanti, Beck und einige andere Spitzengenossen uns derzeit bieten, lehrt auf bittere Weise: Der Ehrliche ist der Dumme, Erfolg hat, wer am dreistesten lügt. Armes Deutschland!


Radlos oder ratlos?

Der Transrapid - ein industriepolitisches Trauerspiel


Verspätung neun Minuten, Verspätung zwanzig Minuten, Verspätung sechzehn Minuten, Verspätung sechs Minuten - die Ausbeute eines Reise-Wochenendes mit der Deutschen Bahn. Oder auch: der ganz normale Wahnsinn der DB-Fahrplangestaltung. Ausgesprochen ärgerlich für die Betroffenen, aber nichts im Vergleich zu der Verspätung, die Bahn, Politik und Wirtschaft jetzt gemeinsam auf die Schiene gesetzt haben: In München wollen sie, massiven Widerständen zum Trotz, den weit draußen vor der Stadt angesiedelten Flughafen mit einer Magnetschwebebahn an das Zentrum anbinden.

Das wäre dann, so der Transrapid tatsächlich gebaut wird, in Deutschland die erste kommerzielle Präferenzstrecke für diese neuartige Fortbewegungs-Technologie - für deren weltweite Vermarktung eine wichtige Voraussetzung. Leider käme sie gut zwei Jahrzehnte zu spät. So lange nämlich ist die Magnetschwebetechnik ausgereift und einsatzbereit. Müßte die Bahn den für München prognostizierten jährlich acht Millionen Fahrgästen Verspätungsentschädigungen nach den derzeit geltenden Regularien zahlen, würden die mutmaßlichen Transrapid-Baukosten um ein Mehrtausendfaches überstiegen. Zugegeben, eine "Milchmädchenrechnung", die aber doch ein Gefühl dafür vermittelt, um welche finanziellen Dimensionen es hier langfristig geht.

Das Patent für die radlose Fahrtechnik ist bereits 73 Jahre alt; es wurde am 14. August 1934 dem deutschen Ingenieur Hermann Kemper erteilt. Doch bald geriet die Neuerung in Vergessenheit, bis der sozialdemokratische Verkehrsminister Georg Leber 1969 sie wiederentdeckte und eine erste Machbarkeitsstudie in Auftrag gab. Schon zwei Jahre später präsentierte MBB in Ottobrunn bei München ein Versuchsfahrzeug auf einer 660 Meter kurzen Strecke. 1980 wurde im Emsland mit dem Bau einer knapp 32 Kilometer langen Versuchsstrecke begonnen. Nach vier Jahren schwebte der erste von insgesamt drei Versuchszügen (TR06) über die auf Stelzen aufgeständerte Betonpiste.  Die Spitzengeschwindigkeit wurde bis an die 500-km/h-Marke hochgeschraubt.

Schon damals wurde Interesse an dieser deutschen Hochtechnologie bekundet. In den USA zum Beispiel waren Verbindungen zwischen Las Vegas und Los Angeles beziehungsweise San Francisco sowie zwischen Washington und New York im Gespräch. Anfragen gab es auch von reichen arabischen Ölstaaten. Stets aber waren sie mit dem Hinweis verbunden: Baut erst mal eine Präferenzstrecke in Deutschland, dann sehen wir weiter.

Konkret geplant wurde zunächst eine Verbindung der Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn, dann, nach der Wiedervereinigung zwischen Berlin und Hamburg. Diese Strecke bot sich schon deshalb an, weil hier ohnehin eine völlig neue Schnellverkehrsverbindung gebaut werden mußte, aber auch, weil sie größtenteils durch die Neuen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg führte, wo zu dieser Zeit Großprojekte noch zügig und ohne die im West längst übliche Dauerprozessiererei um jeden Grashalm und jeden quakenden Frosch durchgezogen werden konnten.

Dennoch scheiterte das Projekt, weil sich im vereinigten Deutschland inzwischen unter Politikern und Meinungsmachern eine prinzipielle Technologiefeindlichkeit breitgemacht hatte, die ihre traurigen Höhepunkte in der Politik der rot-grünen Koalition unter Schröder und Fischer erlebte. Alle weiteren Versuche, das zum prestige- und gewinnträchtigen Exportschlager geeignete Projekt doch noch zu retten, waren eher halbherzig. Wie zum Beispiel das sogenannte Metrorapid, der als "Denkmal" zum Ruhme der vormaligen NRW-Ministerpräsidenten Rau und Clement an Rhein und Ruhr schweben sollte, von deren Nachfolger Steinbrück aber gnadenlos aufs Abstellgleis geschoben wurde.

Derweilen bescherte der Bau der weltweit einzigen kommerziellen Magnetschwebebahn, der Flughafenanbindung in Shanghai, dem Transrapid allenfalls ein Zwischenhoch. Andere Interessenten, in Nahost, Australien oder Amerika, wunderten sich weiterhin, warum diese Deutsche ihre eigene Hochtechnologie partout nicht im eigenen Lande haben wollen. Ein  Vertreter des Transrapid-Firmenkonsortiums ThyssenKrupp/Siemens brachte es auf den Punkt: "Wenn die Autos von Mercedes oder Audi in Deutschland nicht für den Verkehr zugelassen würden, wäre es wohl auch schwierig, sie in USA zu verkaufen."

Nun soll der letzte Versuch starten. In den letzten Amtstagen verkündete der unfreiwillig in den Ruhestand entschwebende Edmund Stoiber, die Finanzierung der 38 Kilometer langen Schwebestrecke vom Münchner Hauptbahnhof zum FJS-Flughafen im Erdinger Moos sei gesichert; schon 2008 könne man mit dem Bau beginnen. Stoiber kunstvolle Formulierungen, die manchen Kabarettisten vor Neid erblassen ließen, nährten den Verdacht, hier solle wieder einmal einem verdienten Landesvater ein teures Denkmal (an die zwei Milliarden Euro!) errichtet werden. Spötter  unkten bereits, dann könne man im "Stoiber" zum "Strauß" fahren.

Ob es jemals dazu kommt, ist fraglich. Auch wenn der weißblaue Transrapid mit dem NRW-Metrorapid nicht vergleichbar ist - so konkret wie heute waren die Finanz- und sonstigen Planungen damals bei weitem nicht) - die prozeßerprobten Gegner dieser Hochtechnologie rüsten bereits zum Kampf durch alle Instanzen. Wodurch, so die Erfahrung mit vielen ähnlichen Projekten, die Kosten dermaßen in Höhe getrieben werden, daß allein dadurch dem Transrapid das widerfährt, was eigentlich technisch nicht möglich ist: daß er entgleist. Am Ende bliebe ein trauriges und teures Beispiel einer verfehlten und unfähigen Industriepolitik - statt radlos leider nur ratlos.
Hans-Jürgen Mahlitz

Preußen - Geschichte mit Zukunft

Am 25. Februar jährte sich zum 60. Male der Tag, an dem die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs das Ende des Staates Preußen besiegelten. Hinter dem Kontrollratsgesetz Nr. 46 stand natürlich mehr als  ein formaler Rechtsakt: die systematische Verteufelung einer jahrhundertelang erfolgreichen Staatsidee. Preußen sollte, stellvertretend für ganz Deutschland, als Sündenbock für alles Übel dieser Welt herhalten - nicht zuletzt auch, um die Machtpolitik der Siegermächte nachträglich zu rechtfertigen.
Zu welch beschämenden Ergebnissen diese systematische Verteufelung geführt hat, zeigte sich an eben diesem 25. Februar 2007: In ganz Deutschland kam nur eine einzige Organisation von Rang und Bedeutung auf die Idee, in angemessenem Rahmen an diesen unwürdigen alliierten Schlußstrich unter Preußens ruhmreiche Geschichte zu erinnern: Der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm v. Gottberg, hatte an diesem Tag zu einem Festakt geladen. Der Veranstaltungsort, das Hilton-Hotel an Berlins Gendarmenmarkt, dem steingewordenen Herzen der preußischen Kulturgeschichte, (Foto) war der angemessene Rahmen einer würdevollen Feierstunde. (Ausführlicher Bericht: Preußen/Geschichte)


"Reform"  - gegen das Volk

Der Kommentar der Woche von Hans-Jürgen Mahlitz

Operation gelungen, Patient tot - das ist, grob vereinfacht, das Ergebnis des jüngsten "Durchbruchs"  beim regierungsamtlichen Streben nach einer umfassenden, zukunftssicheren Sanierung unseres Gesundheitswesens. Was angeblich angestrebt, zumindest im letzten Wahlkampf angekündigt war, nämlich eine wirksame und nachhaltige Reform, die diesen anspruchsvollen Namen auch wirklich verdient - mausetot! Keines der hehren Ziele wird erreicht; dazu ein paar Beispiele:

Die Lohnnebenkosten werden nicht, wie versprochen, reduziert, sondern steigen. Zu spüren bekommen das vor allem die Arbeitnehmer, für die die kaufkraftvernichtende Diskrepanz zwischen Brutto und Netto durch die dramatisch steigenden Beiträge der Gesetzlichen Krankenkassen immer größer wird.

Die millionenteure Gesundheits-Bürokratie wird nicht, wie versprochen, abgebaut, sondern weiter aufgebläht, durch eine zusätzliche staatliche Geldverteilungsmaschinerie.

Die - oft zu Unrecht kritisierte - sogenannte "Zweiklassenmedizin" wird nicht, wie versprochen, durch ein System optimaler Versorgung für jeden Kranken, unabhängig vom jeweiligen Kostenträger, abgelöst, sondern verewigt. Auf deutlich höherem Prämien-Niveau, denn mit diesem "Reformschritt" stillschweigend verbunden ist das Eingeständnis, daß nur die verpönten Privatpatienten eine noch halbwegs funktionierende Finanzierung des Gesundheitswesens sicherstellen können.

In der Praxis - und damit mehr gemeint als die Behandlungsräume der Mediziner - wird sich spürbar nur eins ändern: Alles wird teurer, nichts wird, wie versprochen, billiger.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Unterm Strich mündet der Weg dieser Gesundheitsreform von den vollmundigen Wahlkampf-Ankündigungen über bislang drei "Durchbrüche" bis zur nunmehr wohl unvermeidlichen Peinlichkeit einer breiten Bundestagsmehrheit in  die bittere Erkenntnis: Es gilt das gebrochene Wort! Auch dies übrigens ein rundum gelungener Beitrag unserer Spitzenpolitiker zum Thema "Politikverdrossenheit".

Aber vielleicht ist ja doch alles ganz anders. Vielleicht ist der "Patient" ja gar nicht tot. Vielleicht haben wir, das Volk, in unserer naiven Leichtgläubigkeit gegenüber wahlkämpfenden Politiker da nur irgendwas falsch verstanden. Vielleicht war der dringend behandlungsbedürftige "Patient" ja gar nicht unser Gesundheitswesen, sondern die unter zunehmenden Verfallserscheinungen leidende Große Koalition. Und die hat, dank der "gelungenen Operation" unter fachkundiger Leitung der Wunderheilerinnen Merkel und Schmidt, zunächst einmal überlebt. Das ist, aus Sicht der in Amt und Würden daran Beteiligten und davon Profitierenden, durchaus ein Erfolg. Wie praktisch, daß man sich, ganz demokratisch,  auch noch ein Volk halten darf, dem man hinterher die Rechnung präsentieren kann (in voller Höhe vorsichtshalber erst nach der nächsten Wahl, dann aber mit der dringenden Bitte um korrekte Begleichung während der nächsten Jahrzehnte).

Nur sollten die uns leider auch weiterhin Regierenden wenigstens so ehrlich sein und für dieses Machwerk nicht länger den Namen "Gesundheitsreform" mißbrauchen. Denn die "Maus", die dieser Berg namens "Große Koalition" nach quälend langem Kreißen nunmehr zu gebären sich anschickt, ist nicht einmal ein "Reförmchen". Es ist ein politischer Offenbarungseid, von findigen Parteistrategen flugs umgedeutet zum Freibrief für weiteres Herumwurschteln in höchsten Regierungsämtern.



Doris, Gerhard und die große Politik...

Von Prof. Dr. Hans-Joachim Selenz

Nun ist es sogar gerichtsfest. Wie bei Gerhards Haaren.
Doris hat die Wahlen 2005 nicht ausgelöst.
Wäre ja auch ziemlich merkwürdig. Einer der größten deutschen
Kanzler der letzten acht Jahre, politisch angeschoben von der eigenen
Frau? Die Idee, sich abwählen zu lassen, um sich anschließend deutlich
lukrativeren Jobs zuzuwenden, kam diesmal von Gerhard selbst. QED!

Es wäre in der Familie Schröder-Köpf allerdings nicht das erste Mal,
daß Doris einen genialen Gedanken spinnt. Die ehemalige Journalistin
hat sowohl das Wissen, als auch die nötige Phantasie. Daß sie daraus
wichtige Ideen für die berufliche Entwicklung ihres Mannes entwickelt,
wäre so neu nicht. Doris war nie das Heimchen am Herd. Sie regierte mit.
Und zwar äußerst zielstrebig und aktiv. Am 8. Januar 1998 war ein
solcher Moment. In weniger als zwei Monaten sollte in Niedersachsen
Wahl sein. Dabei ging es nicht nur um den Ministerpräsidenten.
Gatte Gerhard hatte sich die Latte gleichsam selbst hoch gelegt.
Mit einem überzeugenden Sieg wollte er zugleich Kanzlerkandidat der
SPD werden. Ein durchaus schwieriges Unterfangen. Seine ?Parteifreunde?
Johannes Rau und Oskar Lafontaine hatten nämlich gänzlich andere Ideen.
Oskar sollte Kanzler werden. Der wiederum hatte Johannes versprochen,
ihn dafür ins Schloß Bellevue zu hieven. Daher durfte Gerhard in
Niedersachsen eben nicht gewinnen. Zumindest nicht überzeugend.
Der hatte sich im Wahlkampf vehement für den Verbleib des Salzgitter
Stahlwerkes im Inland eingesetzt. Das Stahlwerk gehörte allerdings
ins Reich der West LB. Chef der West LB war wiederum Friedel Neuber,
ein "Schwerstkrimineller, der nicht zu packen ist, da er alle im Sack
hat", wie Gerhard ihn treffend beschrieb. Johannes überredete daraufhin
seinen Intimfreund und Lust-Finanzier Friedel, dem Gerhard das
Stahlwerk ?unter dem Arsch weg zu verkaufen?. Für Normalohren durchaus gewöhnungsbedürftig. Unter "Parteifreunden" - der Steigerung von Feind und Todfeind - wie Johannes und Gerhard war dies indes durchaus gängige Tonart. (siehe: "Wildwest auf der Chefetage ? Schröders Kampf um Salzgitter und die Kanzlerschaft")

In seiner Sitzung am 8. Januar 1998 exekutierte der Vorstand der
Preussag AG Neubers Befehl. Unter Protokoll Nr. 1113 wurde das Stahlwerk mit 7/1 Stimmen nach Österreich verkauft. An die Vöst. Just aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekehrt, erfuhr Familie Schröder vom erfolgten Verkauf der Stahlfirma. In einer Krisensitzung in der Schröderschen Dachwohnung am Abend des 8. Januar brachte Doris es auf den Punkt: "Stellt euch einmal vor, in NRW wäre Wahlkampf und der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder würde die Thyssen-Stahl AG - ein Tochterunternehmen der Nord LB in diesem hypothetischen Fall - an die Vöst Alpine verkaufen. Wie der scheinheilige Johannes dann gucken würde ... Unvorstellbar oder nicht" Aber in Niedersachsen läuft es
genau so. Wirklich unfaßbar!? Das überzeugte Ehemann Gerhard sichtbar.
In ihm reifte ein verwegener Plan. Er kannte die Milliarden-
manipulationen in der Preussag-Bilanz. Nicht nur aus den Protokollen
des Wirtschaftsausschusses des Landtages. 2,5 Mrd. DM hatte Friedel
Neuber, Aufsichtsratsvorsitzender der Preussag AG, bis dato verbrannt.
Das lag Gerhard mehrfach schriftlich vor. Dies Wissen nutzte der
Kanzler in spe konsequent und eiskalt.

Am 9. Januar fuhr Gerhard zur Zentrale des "Paten des Reviers", der
West LB. Dort kamen die Milliardenmanipulationen der Preussag auf den
Tisch des Hauses. Gerhard machte dem Paten klar, er gehe davon aus,
daß man die Sache mit der Bilanz nach Recht und Gesetz abwickeln werde.
Andernfalls müsse man von juristischer Seite intensiv nachschauen...
In Palermo hätte man es nicht deutlicher machen können. Geschweige
denn besser! Und rechtsstaatlicher konnte die Drohung auch nicht sein.
Alles in allem ein Angebot, das der Pate nicht ablehnen konnte.
Die Staatsanwaltschaft konnte er so gut gebrauchen wie ein Loch im Kopf.
Also verkaufte Friedel die Firma einfach noch einmal. In diesem Fall
seinem Parteifreund Gerhard. Die zweitgrößte deutsche Stahlfirma
wechselte so in weniger als 24 Stunden zweimal den Besitzer! Ein Vorgang, der in der deutschen Wirtschaftsgeschichte bis dato ohne Beispiel war.
Weder Genosse Gerhard noch Genosse Friedel hatte zudem eine
Legitimation für den Deal. Der entschied indes nicht nur die Niedersachsenwahl.
Mit dem Stahlwerk im Tornister wurde Gerhard schließlich sogar Kanzler.
Die Idee hatte ihm nicht zuletzt Gattin Doris in den Kopf gesetzt.
Schrödersche Familiengeschichte, die durchaus deutsche Geschichte machte.
Doris, Gerhard und die große Politik...

Der Autor ist ausgesprochen fachkundig, da lange Jahre selbst in hochrangigern Managementpositionen tätig - bis er wegen seiner Weigerung, gefälschte Bilanzen abzusegnen, seiner Vorstandsämter verlustig ging...

Wellness - Zauberwort für anspruchsvollen Urlaub

Kein anderer Bereich der Tourismus-Branche dürfte zur Zeit solche Zuwachsraten verbuchen wie der sogenannte Wellness-Sektor: Wer ein anspruchsvolleres Publikum ansprechen will, das sich auch im Urlaub dem "Geiz-ist-geil-"Wahn verweigert, muß neben kulinarischen Glanzlichtern, gehobener Ausstattung und landschaftlich attraktivem Umfeld auch gutabgestimmte Wohlfühl-Programme anbieten. Das vom Massentourismus bewußt abgehobene Feriendomizil der Zukunft ist weder Luxus-Sanatorium noch Nobel-Herberge oder Nouvelle-Cuisine-Tempel mit angegliederter Nächtigungsmöglichkeit, sondern von allem etwas - es ist wohl die richtige Mischung, die den Erfolg bringt.
Herausragende Beispiele für diesen Trend fanden wir in den klassischen Tourismus-Regionen Österreichs. Herausragende Beispiele stellen wir in unserer Reise-Rubrik vor, das Sporthotel Neustift im Stubaital sowie das Hotel Post in Lermoos, auf der Tiroler Seite der Zugspitze (siehe Foto).
So viel vorab: Das über 300 Jahre alte Haus wurde von seinen Eigentümern, der Familie Dengg, ebenso liebevoll wie aufwendig restauriert, wobei auch strenge Auflagen des Denkmalschutzes zu beachten waren. Seit der Wiedereröffnung vor gut einem Jahr sind die zwischen 44 und 127 Quadratmeter großen Suiten meist auf lange Zeit im voraus  ausgebucht, Schnellbucher haben aber immer die Chance, von den attraktiven Spezialangeboten zu profitieren, zum Beispiel von den interessanten Sonderprogrammen zum Osterfest (siehe Rubrik Reise). Ganz besonders zu empfehlen: Sterne-Köchin Sarah Wiener als kulinarische Gipfelstürmerin. Anfang April können die Gäste des Hotel Post sich von der österreichischen Meisterköchin, die sich überaus erfolgreich in der Männerwelt der Bocuse, Winkler und Witzigmann etabliert hat, bekochen lassen  (weitere Informationen: Hotel Post, Lermoos).



Was ist Heimat?

Nachbetrachtungen zu einem Vortrag des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen

Siehe Preußen/Geschichte

Mittelstandspreis des BdV

Ministerpräsident Christian Wulff und der Publizist Hugo Müller-Vogg wurden mit dem Mittelstandspreis des Bundes der Selbständigen (BdS) und der Bundesvereinigung mittelständischer Unternehmer (BVMU) ausgezeichnet.
(Ausführlicher Bericht sowie Auszüge aus der Rede Wulffs:

Siehe Deutschland aktuell

Ausstieg aus dem Ausstieg

Die weltweite Renaissance der friedlichen Nutzung der Kernenergie hat nun auch Deutschland erreicht. Der Antrag auch Laufzeitverlängerung für das AKW Biblis signalisiert: Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der für unser Land so verhängnisvolle Ausstieg aus der Atomenergie rückgängig gemacht wird. Die AKW-Betreiber setzen offensichtlich auf Zeit - nämlich die Zeit nach der nächsten Bundestagswahl und die Hoffnung auf andere, technologie- und fortschrittsfreundliche Mehrheiten. Derweilen schlagen die rot-grünen Ausstiegs-Ideologen ihre letzten Rückzugsgefechte.
Siehe Deutschland Aktuell


 
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