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Medizin-Nobelpreise 2008: Spät, aber verdient

Interessante Parallelen zum Innovationspreis der "Pharmazeutischen Zeitung"

Spät, überrraschend, aber keineswegs unverdient kam die Ehrung aus Stockholm: Prof. Dr. Harald zur Hausen, langjähriger Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, erhält den Medizin-Nobelpreis. Ausgezeichnet werden damit wissenschaftliche Leistungen, die bis in die 80er Jahre zurückreichen.

Damals hatte der heute 72jährige Mediziner den Verdacht, bestimmte Krebsarten könnten durch Viren ausgelöst werden, eine Außenseitermeinung, für die er in der Fachwelt nur Hohn und Spott erntete. Doch zur Hausen ließ sich nicht entmutigen. Am Beispiel des Gebärmutterhalskrebses konnte er nachweisen, daß diese Erkrankungen tatsächlich durch sogenannte Humane Papilloviren (HPV) verursacht werden.

Von diesen Viren sind bislang rund 100 Stämme bekannt. Wirklich gefährlich sind vor allem die beiden Stämme HPV 16 und HPV 18, die für 80 Prozent aller Gebärmutterhalskarzinome verantwortlich sind. Übertragen werden sie durch sexuelle Kontakte.

Das deutsche Krebsregister weist für 2006  über 6500 Neuerkrankungen und nahezu 1800 Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs aus. Betroffen sind vor allem Frauen zwischen 17 und 45 Jahren. Fachmediziner wie Dr. Monika Hampl (Uni Düsseldorf) wiesen gegenüber der PAZ auf geradezu dramastische Zuwachsraten hin; so sei die Zahl der Erkrankungen bei Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren in den letzten drei Jahrzehnten um 400 Prozent angestiegen - Tendenz weiter steigend. Einig sind sich die Experten, daß dies direkt mit der sogenannten sexuellen Revolution zusammenhängt, also damit, daß Heranwachsende in immer jüngerem Alter und und mit immer häufiger wechselnden Partnern Sexualverkehr haben.

Basierend auf den bahnbrechenden Arbeiten des Nobelpreisträgers zur Hausen, ist seit zwei Jahren der von Sanofi Pasteur MSD entwickelte Impfstoff Gardasil verfügbar, der für mehr als fünf Jahre nahezu 100prozentigen Infektionsschutz bietet. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt, alle Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren zu impfen. Die Kosten (480 EUR) übernehmen für diese Altersgruppe die gesetzlichen Krankenkassen.

Die Entwickler von Gardasil brauchten auf die verdiente Ehrung bei weitem nicht so lange zu warten zur Hausen auf den Nobelpreis: Produktmanager Dr. Ralf Ehret von Sanofi Pasteur MSD konnte bereits ein Jahr nach der Marktzulassung des Impfmittels  den Innovationspreis 2007 der "Pharmazeutischen Zeitung/Apotheker.Zeitung" (PZ) aus der Hand von Prof. Dr. Hartmut Morck entgegennehmen.

Übrigens stand auch der diesjährige PZ-Innovationspreis im Zusammenhang mit der Nobelpreisvergabe 2008: Das Stockholmer Karolinska-Institut befand neben zur Hausen die beiden Franzosen Luc Montagnier und Francoise Barré-Sinoussi für preiswürdig. Sie hatten Anfang der 80er Jahre als erste das AIDS-auslösende HIV-Virus identifiziert. Damit hatten sie die Grundlage für weitere anwendungsorientierte Forschungen geschaffen, deren jüngstes Resultat ein neuartiges Medikament namen Isentress (Hersteller: MSD Sharp & Dohme, Haar bei München) ist, das die therapeutischen Möglichkeiten für AIDS-Patienten erheblich erweitert und dafür wenige Tage vor der Bekanntgabe der Nobelpreisträger den Innovationspreis 2008 erhielt. Im Rahmen der Preisverleihung wie Prof. Dr. Thomas Lang (MSD/Medical Direktor) darauf hin, daß dieses Medikament in den ärmsten Ländern der Welt - insbesondere also in den von AIDS am stärksten betroffenen Ländern im südlichen Afrika, kostenlos abgegeben wird.
Hans-Jürgen Mahlitz





Hat Deutschland endlich "ausgesägt"?

Ein Spray mit dem sinnigen Namen "Silence" befreit Millionen Deutsche vom nächtlichen Schnarchen

Von Hans-Jürgen Mahlitz

In the jungle, the mighty jungle, the lion sleeps tonight - als die Tolkens vor nunmehr 47 Jahren mit diesem Titel die Hitparaden stürmten, hätten sie sich vieles träumen lassen können, nur das nicht: daß eine damals gerade Zehnjährige dereinst nicht nur den Löwen, sondern auch alle anderen Vier- und Zweibeiner im Dschungel um den Schlaf bringen würde. So geschehen unlängst im RTL-Dschungelcamp. Barbara Herzsprung, inzwischen zur Schauspielerin, Modedesignerin und Schauspieler-Exgattin gereift,  baute fern im australischen Fernsehdschungel eine Geräuschkulisse auf, die  zwar die Bäume nicht umstürzen ließ, deren Nachbeben aber bis ins Mitteleuropäische zu vernehmen war. Im Klartext: Sie schnarchte. Und wenngleich die akustischen Hervorbringungen - bei allem Respekt vor zeitgenössischem Kulturschaffen - höheren künstlerischen Ansprüchen kaum genügten, so bleiben sie doch der Nachwelt erhalten: Unerschütterliche Herzsprung-Fans nämlich können sich das Schnarchen ihres Idols als Klingelton aufs Handy packen.
Der Löwe im Dschungel freilich kann nun beruhigt weiterschlafen. Denn Frau Herzsprung hat ihre "musikalische" Karriere abrupt beendet. Sie schnarcht nicht mehr. Wie sie das geschafft hat, erzählte sie jetzt auf einer Presseveranstaltung, auf der ein neues Antischnarchmittel mit dem durchaus vielversprechenden Namen Silence präsentiert wurde.
Zugegeben, wenn man nicht gerade zum Stammpublikum von RTL zählt, tut man sich etwas schwer, von solch boulevardhaftem Auftakt zum Ernsthaften, zum Wissenschaftlich-seriösen zu finden. Am Ende aber überwog doch der Eindruck, daß Frau Herzsprung hier keine billige Publicity-Schau abgezogen hat, sondern durchaus glaubhaft machen konnte, wie man auf recht einfache Weise vom Schnarcher zum Nicht-Schnarcher werden kann.
Immerhin spricht sie damit zehn Millionen Menschen in Deutschland an, bei denen nachts regelmäßig "die Wände wackeln". Das sind immerhin gut 20 Prozent aller Erwachsenen. Und zumindest akustisch haben in Deutschlands Schlafzimmern die Männer die Nase vor; daran haben auch langjährige Emanzipationsbemühungen nichts ändern können. Unter 30 schnarchen doppelt so viele Männer wie Frau, erst nach den Wechseljahren holt die Weiblichkeit auf, oberhalb 60 Jahren  ist das Verhältnis nur noch zwei zu eins zugunsten der Männer.
Daß die massenhafte nächtliche Sägerei alles andere als harmlos ist, sondern  allem auch für die "Passivschnarchopfer" hochgradig nervend und gesundheitsschädigend, ergibt sich aus folgenden Meßwerten: Der im Schlaflabor gemessene Rekordhalter brachte es auf satte 98 Dezibel und übertönte damit vorbeifahrende Lastkraftwagen und Eisenbahnzüge ebenso wie Kettensägen und Preßlufthämmer.
Wie aber schafft es der Mensch, solch gewaltige Geräuschkulisse aufzubauen? "Schnarchen wird durch eine allgemeine Muskelentspannung im Schlaf hervorgerufen. Dadurch ha¬ben die Muskeln, die unsere oberen Atemwege im Rachen offen halten, die Neigung, unter bestimmten Umständen nicht die Spannung aufzubringen, die notwendig ist, um eine ungehinderte Passage der eingeatmeten Luft in die Lunge zu gewährleisten", erläutert Schlafforscher Prof. Dr. Riccardo Stoohs vom Schlaflabor Dortmund die Entstehung nächtlicher Konflikte. "Die Weichteile der oberen Atemwege klatschen mit einer Frequenz von mehr als 100 mal pro Sekunde aneinander und ver¬ursachen damit das typische Geräusch des Schnarchens."
Abgegrenzt werden müsse, so Prof. Stoohs weiter, das zumindest für den Schnarcher selbst zumeist harmlose gewohnheitsmäßige Schnar¬chen allerdings von einer Schlafstörung, die durch die gleichen Mechanis¬men hervorgerufen wird. Das sogenannte obstruktive Schlafapnoesyndrom führe in seiner Konsequenz zu stärkerer gesundheitlicher Beeinträchtigung: "Beim Auftreten von nächtlichen Atemaussetzern sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden, weil hierdurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankun¬gen steigt", rät der Schlafforscher.
An Versuchen, diese wahrhaft ruhestörende Muskel-Entspannung im Rachen zu unterbinden, mangelt es nicht. Die meisten Medikamente, die bislang angeboten wurden, erwiesen sich aber als ebenso wirkungslos wie die zum Teil abenteuerlichen mechanischen Schnarchunterdrücker. Operative Eingriffe sind zwar durchaus erfolgversprechend, gelten in der medizinischen Fachwelt aber nur als "ultima ratio".
Keine Überraschung also, daß auch das jüngste Anti-Schnarch-Produkt mit einiger Skepsis aufgenommen wurde: Wieder einmal ein sogenanntes Wundermittel, das letztendlich doch nicht viel bringt - so dachte wohl mancher, als die "Deutsche Chefaro Pharma GmbH" vor knapp einem Jahr ein Spray mit dem sinnigen Namen "Silence" auf den Markt brachte. Allerdings hat sich das unter der Regie des belgischen Konzerns "Omega Pharma NV" entwickelte Produkt anderenorts bereits hinreichend bewährt. In Frankreich etwa hat es bereits 80 Prozent des Antischnarchmittel-Marktes erobert. Und auch in Deutschland ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten: Bereits Ende Februar, ein halbes Jahr nach der Markteinführung, lag der Marktanteil bei 58 Prozent.
Die Wirkstoffe des Sprays basieren großenteils auf natürlichen biologischen Substanzen (zum Beispiel Algen, Hagebutten). Sie straffen Haut und Muskulatur im Rachen, legen einen wohlschmeckenden ölartigen Film auf die Schleimhaut, halten so dauerhaft die Atemwege frei und verhindern das lärmverursachende Vibrieren von Gaumensegel und Zäpfchen. Schädliche oder unangenehme Nebenwirkungen haben sich bei umfangreichen Tests in Frankreich und in Deutschland nicht gezeigt, wohl aber überzeugende Erfolge. So konnte der Hersteller es sich leisten, eine Rücknahmegarantie für den Fall der Erfolglosigkeit anzubieten - die Rücklaufquote liegt bei nur 0,8 Prozent.
"Silence" wird abends vor dem Schlafengehen in den Rachen gesprüht. Eine Spraydose reicht für einen Monat und kosten unter 15 Euro - so viel, so meint nicht nur inzwischen verstummte Dschungelcamp-Schnarcherin Barbara Herzsprung, sollten ungestörte Nachtruhe und gesunder Schlaf einem schon wert sein.




Gefäßveränderungen
bei pulmonaler
 Hypertonie

a) Normale Lungenarterie im Querschnitt
b) Querschnitt einer Lungenarterie bei pulmonaler Hypertonie, die durch Gewebewucherung dramatisch verengt ist.
c) Längsschnitt mit krankhaften Veränderungen (Ablagerungen, Wucherungen, Verdickungen). Das Blut muß von der rechten Herzkammer immer schwerer durchgepumpt werden.






Unbekannt und unerkannt


Lungenhochdruck - eine heimtückische,
inzwischen aber heilbare Krankheit


Von Hans-Jürgen Mahlitz

Anita D. (Name von de Redaktion geändert), Krankenschwester, stets auf eine gesunde Lebensweise bedacht und immer "kerngesund", wird mit 27 Jahren  schwanger. Nach der Geburt leidet sie immer intensiver  unter Erschöpfung und Atemnot bei der geringsten körperlichen Belastung. Postportale Erschöpfungsdepression, so die verhängnisvolle Fehldiagnose. Um die vermeintliche Depression zu überwinden, geht die junge Mutter nach einem Jahr Erziehungsurlaub wieder arbeiten. Am vierten Arbeitstag bricht sie zusammen, drei Wochen später ist sie tot.

Anita D. litt und starb an einer Krankheit, die in Deutschland kaum jemand kennt - und die auch kaum ein Arzt rechtzeitig erkennt: pulmonale Hypertonie (PH), Lungenhochdruck. Die ersten Symptome - Luftnot bei Belastung, chronische Müdigkeit, Reizhusten - werden meist anderen Lungen- oder Herz-Kreislauferkrankungen zugeordnet. So werden Patienten oft jahrelang wegen Asthma behandelt, bis  endlich die richtige Diagnose gestellt wird. Allzu oft zu spät: Noch vor einem Jahrzehnt lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines PH-Patienten bei 2,8 Jahren; die Diagnose Lungenhochdruck kam einem Todesurteil gleich.

Einem breiteren Publikum - und auch einem nicht unerheblichen Teil  der Ärzteschaft - ist der Begriff Hypertonie nur im Zusammenhang mit dem Blutdruck geläufig. Hier gilt die Faustregel: Der obere (systolische) Wert sollte bei 120 Millimeter Quecksilber (mmHg) liegen, der untere (diastolische) bei 80.

Doch neben diesem allgemeinen Kreislauf, der den ganzen Körper über das Blut mit Sauerstoff und lebenswichtigen Nährstoffen versorgt und zugleich Stoffwechselprodukte abtransportiert, zirkuliert im menschlichen Organismus ein zweiter, interner Blutkreislauf. Es handelt sich um den Lungenkreislauf, der bei 20 bis 30 Prozent des allgemeinen Blutkreislaufs arbeitet und die eigentliche Lebensader darstellt. Hier nämlich findet der Gasaustausch statt. Die rechte Herzhälfte pumpt verbrauchtes, sauerstoffarmes Blut in die feinen Kapillargefäße der Lunge. In einem hochkomplizierten Vorgang wird das Blut mit Sauerstoff aus der Atemluft angereichert, zugleich wird das bei Verbrennungsprozessen im Körper entstandene Kohlendioxid dem Blut entzogen und ausgeatmet. Die linke Herzhälfte pumpt das "frische" Blut über die Aorta wieder in den allgemeinen Kreislauf.

Die Kapillargefäße der Lunge sind äußerst sensibel und vertragen nicht mehr als 20 bis 30 mmHg Druck, der nur bei Belastung kurzzeitig und geringfügig überschritten werden sollte.

Im Ruhezustand läßt das Herz vier bis fünf Liter Blut pro Minute durch die Lungenkapillare fließen. Wird dem Körper mehr Leistung abverlangt, kann die Durchflußmenge auf bis zu 20 Liter steigen, bei austrainierten Sportlern sogar auf 40 Liter. Gesteuert wird die Durchflußmenge untzer anderem durch Verengunge oder Erweiterung der Arterien. Die Muskulatur in den Gefäßwänden erhält die entsprechenden Befehle durch sogenannte Botenstoffe wie das Hormon Adrenalin.

Tausche Sauerstoff gegen Kohlendioxid

Anders als die stärker belastbaren Gefäße des allgemeinen Blutkreislaufs reagieren die Lungenkapillargefäße aber auf erhöhten Druck in äußerst gefährlicher Weise. Liegt der Mitteldruck regelmäßig über 25 mmHg oder steigt er bei Belastung  deutlich über 30 mmHg, setzt bald ein verhängnisvoller Umbau der Gefäßwände ein. Der lebenserhaltende Austausch Sauerstoff gegen Kohlendioxid wird zunehmend gestört, die körperliche und bald auch die geistige Leistungsfähigkeit des Patienten sinkt rapide.

Das Teuflische an dieser Krankheit: Sie ist nur schwer und erst in fortgeschrittenem Stadium zu diagnostizieren. Die ersten Symptome können auch auf eine Reihe anderer Erkrankungen hindeuten. Und während der "normale" Blutdruck mit recht einfach zu handhabenden Geräten auch von Laien gemessen werden kann, ist eine Messung des Lungenblutdrucks wesentlich aufwendiger und verlangt spezielle medizinische Fertigkeiten. Dies führt, wie anfangs beschrieben, oft dazu, daß eine zuverlässige Diagnose erst vorliegt, wenn der tödliche Verlauf der Krankheit kaum noch aufzuhalten ist.

Ebenso aufwendig wie die Diagnose ist aber auch die Therapie. Erst seit gut einem Jahrzehnt stehen wirkungsvolle Medikamente für die verschiedenen Erscheinungsformen der Krankheit zur Verfügung. Ermöglicht wurde dies, wie Prof. Dr. Wolfgang Kübler (Heidelberg) im Gespräch mit dem Autor betonte, durch Fortschritte bei der Herzkathederdiagnostik, bei Operationen am offenen Herzen, vor allem aber durch neuartige molekular-biologische Untersuchungsmethoden.

Mitentscheidend für einen Erfolg der Therapie - sei es rein medikamentös oder in Kombination mit chirurgischen Eingriffen - ist aber die aktive Mitwirkung des Patienten. Und hier ist, wie Prof. Dr. Horst Olschewski (Graz) uns gegenüber hervorhob, vor allem die vor elf Jahren von Bruno Kopp gegründete Selbsthilfeorganisation "pulmonale hypertonie e. v." mitsamt ihrer "René-Baumgart-Stiftung lobend zu erwähnen. Ihr gehören inzwischen über 1000 Betroffene an, die sich über ein gut organisiertes bundesweites Netzwerk bei der Langzeittherapie unterstützen. Dazu gehört, neben allerlei praktischen Maßnahmen und Informationsangeboten, ganz wesentlich auch die gegenseitige Unterstützung bei der Überwindung der mit dieser heimtückischen Krankheit einhergehenden starken psychischen Belastungen. 

Zu den Massenkrankheiten zählt der Lungenhochdruck nicht. Seriösen Angaben zufolge hat man von etwa 70 Betroffenen pro einer Million Einwohner zu rechnen; in Deutschland wären das zwischen 5000 und 6000. Wegen der schwierigen Diagnose kann man jedoch mit einer deutlich höheren Dunkelziffer rechnen.

Dunkelziffer - dieser Begriff ist irgendwie symptomatisch für die Situation der Patienten. Allzu lange mußten sie das Gefühl haben, im Schatten zu stehen, mit ihrem Leiden nicht wahrgenommen oder nicht ernstgenommen zu werden. Für PH-Patienten gibt es keine Fernseh-Galas und keine Millionenspenden, sie werden in keine Talkshows eingeladen und kommen in den Massenmedien nicht vor. Um so verdienstvoller ist es, daß Betroffene wie Bruno Kopp ihr Schicksal selbst in die Hand genommen haben, indem sie nicht nur im engeren medizinischen Sinne diese tückische Krankheit besiegten, sondern mit ihrer Selbsthilfeorganisation auch den Weg in die Öffentlichkeit suchten - und fanden.

Ebenso verdienstvoll ist es, daß die wenigen Mediziner, die sich auf diese Krankheit spezialisiert und hier in Forschung und Anwendung inzwischen eine weltweite Spitzenposition erreicht haben, sich engagiert an die Seite des gemeinnützigen Selbsthilfevereins stellen, mit dem sie in der Therapie wie in der Öffentlichkeitsarbeit eng zusammenarbeiten. Neben den bereits Zitierten sei an dieser Stelle besonders der Direktor der Medizinischen Klinik Gießen, Prof. Dr. Werner Seeger, erwähnt, an dessen Institut zwei der drei in den letzten 15 Jahren weltweit zugelassenen PH-Medikamente entwickelt wurden.

Unbekannt und unerkannt - unbekannt in der Öffentlichkeit und unerkannt von vielen Ärzten, das galt noch vor wenigen Jahren generell für die pulmonale Hypertonie, den Lungenhochdruck. Es wurde höchste Zeit, daß sich dies gründlich ändert.

























Mobile Facharztpraxis:
Zur Früherkennung gefährlicher Gefäßverengungen, vorzugsweise an den Beinen, hat die Firma Niesmann & Bischoff eines ihrer noblen Wohnmobile zum "Arteriomobil" umgerüstet. Vom Potsdamer Platz in Berlin aus startete es kürzlich zur Vorsorge-Tour quer durch Deutschland. Lobend hervorzuheben ist, daß Niesmann & Bischoff  die PAVK-Selbsthilfegruppen nicht nur mit technischem Knowhow, sondern auch finanziell großzügig unterstützte.


Sprechzimmer auf Rädern


Im Arteriomobil werden kostenlose Vorsorge-Untersuchungen angeboten

Von Hans-Jürgen Mahlitz

Angefangen hatte es ganz undramatisch. Auf den ersten Blick sah es so aus, als hätte ein hauptstadtbegeisterter Tourist sich vor lauter Begeisterung mit seinem Wohnmobil in den Fußgängerbereich des Potsdamer Platzes verirrt. Auf den zweiten Blick wurde aus dem "Wohnmobil" das Arteriomobil.

Das macht neugierig. Was wird denn da geboten? Die Neugier lohnt sich: Geboten wird eine vorsorgende PAVK-Untersuchung, spontan vor Ort, ohne Voranmeldung, meist nur mit kurzen oder gar keinen Wartezeiten, und sogar kostenlos. Das darf man sich in deutschen Geiz-ist-geil-Landen natürlich nicht entgehen lassen.

Aber was verbirgt sich eigentlich hinter der geheimnisvollen Abkürzung PAVK? Das P steht für peripher, das A für arteriell, das VK für Verschlußkrankheit. Gemeint sind damit Gefäßerkrankungen von Durchblutungsstörungen bis zum vollständigen Arterienverschluß, vorzugsweise in den Beinen, in jedem zehnten Falle aber auch in den Armen. Also im sogenannten peripheren Bereich.

Freilich bedeutet "peripher" keineswegs, daß es sich hier um eine Randerscheinung handeln würde. Im Gegenteil. Jeder zehnte Deutsche im Alter ab 50 Jahren leidet an solchen mehr oder minder schweren Durchblutungsstörungen in den Beinen, insgesamt sind rund dreieinhalb Bundesbürger von derartigen Gefäßkrankheiten betroffen. Jedes Jahr kommen über 100.000 neue Patienten hinzu. Und die volle Dramatik verdeutlicht diese Zahl:  Jedes Jahr müssen 35.000 Menschen wegen PAVK amputiert werden!

Hinzu kommt: Etwa 60 Prozent aller Menschen, die unter Durchblutungsstörungen in Beinen oder Armen leiden, haben auch Gefäßverengungen im Bereich der Halsschlagader oder der Herzkranzgefäße. So ist das statistische Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfakrt zu erleiden, für diese Personengruppe deutlich höher als die Gefahr einer Amputation.

Die Risikofaktoren sind hinlänglich bekannt: An erster Stelle das Rauchen, ferner Diabetes mellitus, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht, mangelnde körperliche Bewegung. Aus dieser Auflistung ergibt sich auch schon, was man dagegen vorbeugend tun kann: Finger weg vom Nikotin, vernünftige, ausgewogene Ernährung, gezielte körperliche Betätigung. Kommt die Vorbeugung zu spät, ist also die Krankheit bereits fortgeschritten, muß medikamentös oder gar operativ eingegriffen werden.

Hier schließt sich der Kreis, hier wird es für den um Authentizität bemühten Autor dramatisch. Eigentlich wollte er, um "lebendiger" schreiben zu können, ja nur selber einmal ausprobieren, wie eine solche Untersuchung im Arteriomobil abläuft.
Im Vorgespräch mit Dr. Dirk Kampe (Gemeinschaftspraxis Kaiserdamm Berlin) und Manfred Pfeiffer, Bundesgeschäftsführer des Patientenselbsthilfegruppen- Bundesverbands, werden zunächst die Risikofaktoren abgearbeitet: Nichtraucher seit 15 Jahren, keine familiäre Vorbelastung, kein Übergewicht, kein Diabetes, kein Bluthochdruck, allerdings etwas erhöhte Cholesterinwerte - und, beruflich bedingt, Bewegungsmangel über einen langen Zeitraum.

Insgesamt nicht schlecht, diese Bilanz. Also ab in den hinteren Teil des von Nobel-Wohnmobilbauer Niesmann & Bischof fachgerecht (und ohne Aufpreis, Chapeau!) umgebauten Wohnmobils, ins rollende Untersuchungszimmer. Mit Blutdruckmesser und Ultraschallgerät bestimmt Dr. Kampe den sogenannten Knöchel-Arm-Index und erläutert dabei: "Für gewöhnlich entspricht bei einem liegenden Menschen der Blutdruck, der am Oberarm gemessen wird, dem Blutdruck, der auch am Fußknöchel gemessen werden kann. Der Quotient aus beiden Werten liegt dann folglich bei 1." Engstellen in den Arterien aber führten zu niedrigerem Blutdruck an den Knöcheln, somit auch zu einem kleineren Quotienten, so Dr. Kampe weiter. "Bei Werten unterhalb 0,9 liegen höchstwahrscheinlich krankhafte Gefäßveränderungen vor, auch wenn es sonst noch keine Symptome gibt. Ab einem Quotienten unter 0,5 ist die Durchblutungsstörung stark behandlungsbedürftig."
Bis dahin fühlt der Autor sich noch völlig sicher; er wollte ja nur vor Ort den Untersuchungsablauf recherchieren, ohne persönlich betroffen zu sein.

Zehn Minuten später - länger braucht man in dem auch computermäßig bestens ausgestatteten Arteriomobil nicht für die Auswertung - folgt die dramatische Wende: Der Knöchel-Arm-Index liegt im Bereich "stark behandlungsbedürftig", Dr. Kampe überreicht einen Brief an den Hausarzt, dieser sieht ebenfalls akuten Handlungsbedarf und legt alles weitere in die bewährten Hände des Gefäßchirurgie-Spezialisten Prof. Dr. Stefan von Sommoggy, der dem Behandlungszentrum Vogtareuth (Chiemgau) inzwischen zu Weltruf verholfen hat.
Vorläufiges Fazit dieser nicht ganz alltäglichen Recherche: Die Bedeutung von Vorbeugung und Früherkennung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wer wartet, bis es bei jeder kleinen Anstrengung schon richtig weht tut, setzt sich der Gefahr irreparabler Schäden - bis hin zur Amputation - aus. Die Aktion "Arteriomobil-Tour 2007", organisiert und durchgeführt von Manfred Pfeiffers Selbsthilfegruppen-Verband, gesponsort von der Merck Pharma GmbH und der Deutschen Gefäßliga und ehrenamtlich unterstützt von Fachärzten im ganzen Bundesgebiet, ist ein lobenswerter Beitrag im Kampf gegen die periphere arterielle Verschlußerkrankung, die dabei ist, sich zu einer der folgenschwersten Volkskrankheiten zu entwickeln.


Knöchel-Arm-Index: Der Quotient aus den Blutdruckwerten, die am Oberarm und am Fußknöchel gemessen werden, sollte möglichst nahe an 1 heranreichen. Denn je niedriger er ausfällt, umso stärker ist die Verengung der Arterien bereits fortgeschritten, und umso weniger Blut kommt in den Beinen an.

Stramme Waden schützen
nicht unbedingt vor Durchblutungsstörungen -
diese unerfreuliche Erfahrung mußte auch der Autor dieses Beitrags machen. Obwohl
er doch eigentlich nur selber
mal ausprobieren wollte,
wie eine solche Untersuchung abläuft.

Fotos (3): H. J. Mahlitz

Weitere Termine der Arteriomobil-Tour 2007:

7. und 8. September, 9 bis 17 Uhr: München
11. und 12. September, 9 bis 17 Uhr: Chemnitz
20. und 21. Oktober, 9 bis 17 Uhr: Münster

Weitere Informationen:

AVK-Selbsthilfegruppen Bundesverband e.V.
1.    Vorsitzende: Inge Pferdehirt, Wuppertal
E-Mail avk.bv.ip@t-online.de

Bundesgeschäftsführer: Manfred Pfeiffer
E-Mail RWB-Pfeiffer@t-online.de
Tel. 06136/924050
Fax 06136/925251

Internet: www.avk-bundesverband.de



Warum "Schaufensterkrankheit"?

Die periphere arterielle Verschlußkrankheit wird im Volksmund auch als "Schaufensterkrankheit" bezeichnet. Dies hat folgenden Hintergrund: Wenn die Blutgefäße im fortgeschrittenen Stadium verengt beziehungsweise weitgehend verschlossen sind, kommt es beim Gehen vor allem in der Wade zu krampfartigen Belastungsschmerzen. Die Patienten müssen also schmerzbedingt immer wieder Pausen einlegen. Besonders beliebt sind, um die Beschwerden zu verbergen, häufige Pausen vor den Auslagen von Geschäften - daher "Schaufensterkrankheit".

Warum wir "vergreisen", aber nicht "verkalken"
Deutschland muß die Calciumlücke schließen

Bericht von einem OSTEOPOROSE-Kongreß in Wien/
Von Hans-Jürgen MAHLITZ

Ein Mädchen, das heute in Deutschland geboren wird, hat - statistisch gesehen - gute Chancen, das 90. Lebensjahr zu erreichen. Ein Drittel dieser Gruppe, vielleicht mehr, wird es selber berufstätig sein; die übrige Zeit wird es zumindest teilweise auf die Solidarität der Eltern- und der Kindergeneration angewiesen sein. Und selbst wenn es gelingen sollte, die bedrohlichen Seiten der demographischen Entwicklung (quasi Umkehrung der sogenannten Alterspyramide als Resultat von niedrigen Geburtenzahlen und steigender Lebenserwartung) soweit in den Griff zu bekommen, daß auch im hohen Alter ein Leben unter menschenwürdigen sozialen und materiellen Bedingungen möglich ist - ob es wirklich ein so großes Glück ist, nicht nur alt zu werden, sondern alt zu sein, hängt vor allem von der Gesundheit ab.

Mit einer "typischen Alterskrankheit" befaßten sich kürzlich Experten aus aller Welt auf einem internationalen Kongreß in Wien: OSTEOPOROSE. Die dramatische Zunahme dieser Knochenerkrankung hängt auch mit der Veränderung der Altersstruktur unserer Gesellschaft zusammen. Salopp formuliert: Deutschland vergreist, ohne allerdings zu "verkalken". Im Gegenteil: Chronischer Mangel an Calcium (phosphorsaurer Kalk/ Hydroxylapatit) ist die Ursache dieser sich immer weiter verbreitenden Erkrankung des Knochenstoffwechsels.

Das Knochengerüst des menschlichen Körpers ist - entgegen landläufiger Meinung - durchaus lebendes Gewebe. Es zeichnet sich durch eine geradezu geniale Architektur aus, bedarf aber stetiger "Renovierung". In einem Pressegespräch am Rande des Wiener Ärzte-Kongresses verdeutlichte Prof. Dr. Johann Diederich Ringe (Leverkusen) die Problematik, indem er die Kno- chenstatik mit mittelalterlichen Kathedralen verglich: Stabilität und Belastbarkeit hängen nicht allein von der Menge des Baumaterials (also des Calciums) ab, sondern vor allem davon, wie die Bausteine zusammengefügt, gepflegt und bei Bedarf ausgetauscht werden. Schließlich habe man ja - so Prof. Ringe - bei gotischen Kathedralen weniger Baumaterial verarbeitet als bei romanischen Basiliken, ohne daß dies sich nachteilig auf die Statik auswirkte.

Ähnlich wie solche historischen Bauwerke ist aber auch unser Knochengerüst eine lebenslange "Dauerbaustelle". Hochspezialisierte Zellen, sogenannte Osteoklasten, demontieren alte, "baufällige" Knochensubstanz, ihre Partner, die Osteoblasten, bauen an dieser Stelle neues Knochengewebe auf. Bei gesunden Menschen bleibt dies im Gleichgewicht.

Eine OSTEOPOROSE (wörtlich übersetzt: poröser Knochen) liegt vor, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist. Es wird mehr Knochensubstanz ab- als aufgebaut, die Architektur stimmt nicht mehr, der Knochen verliert an Stabilität und bricht schon bei geringsten Belastungen.

Die wichtigsten Ursachen: hormonelle Veränderungen bei Frauen (Wechseljahre), Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes), Medi- kamente (Kortison), falsche Ernährung (Calciummangel), aber auch erbliche Veranlagung.

In Deutschland wird die Zahl der von OSTEOPOROSE akut bedrohten Frauen auf fünf Millionen geschätzt, insgesamt handelt es sich um zwischen sieben und acht Millionen Kranke, mehr als ein Viertel aller Deutschen in der Altersgruppe über 50. Prof. Dr. Dieter Felsenberg (Berlin) wies in Wien darauf hin, daß es bei zwei Millionen dieser Patienten bereits zu einem OSTEOPOROSEbedingten Knochenbruch gekommen ist. Etwa 150000 Menschen erleiden jährlich einen Oberschenkelhalsbruch, mit fatalen Folgen gerade für betagte Patienten. Auch wenn "man üblicherweise nicht an OSTEOPOROSE stirbt", so führt diese Krankheit doch indirekt zu einer deutlich erhöhten Sterblichkeit. Und sie verursacht Folgekosten in Milliardenhöhe; inoffiziell wurde eine Größenordnung von fünfeinhalb Milliarden Euro pro Jahr genannt. Zudem sind die Zukunftsprognosen düster: Die Experten rechnen mit einer weiteren dramatischen Ausbreitung dieser Volkskrankheit.

Was kann man dagegen tun? Aufklärung, Früherkennung und Weiterentwicklung erfolgversprechender Therapiekonzepte - diesem Dreiklang sehen sich die beiden internationalen Pharma- Riesen Sanofi-Aventis und Procter & Gamble Pharmaceuticals verpflichtet. Sie arbeiten in der "Alliance for Better Bone Health" (Allianz für bessere Knochengesund- heit) zusammen und fördern weltweit Aktivitäten von Ärzten und Patienten. Zugleich repräsentieren die von ihnen entwickelten OSTEOPOROSEmedikamente den aktuellen Stand der internationalen Forschung auf diesem Gebiet.

Die Mediziner, die uns in Wien über diesen aktuellen Stand informierten, bevorzugen übereinstimmend eine Kombi-Therapie. Sogenannte Bisphosphonate (z. B. Risedronat) sollen den gefräßigen knochenabbauenden Osteoklasten den Appetit verderben, während Calciumtabletten den knochenaufbauenden Osteoblasten genügend Baumaterial zuführen. So will man die Calciumlücke schließen.

Diese Lücke hat bedrohliche Dimensionen: Frauen nach den Wechseljahren brauchen täglich zwischen 1300 und 1500 Milligramm Calcium, nehmen aber nach Erhebungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung durchschnittlich nur 800 bis 900 Milligramm über die Nahrung auf - eine Lücke von 500 bis 700 Milligramm pro Tag!

Hier zeigt sich auch ein erhebliches Aufklärungsdefizit. Anfang dieses Jahres ergab eine Emnid-Untersuchung, daß zwar 73 Prozent der Gesamtbevölkerung und sogar 87 der bereits Erkrankten über die Bedeutung einer regelmäßigen Calciumeinnahme informiert waren. Großenteil aber wurde die Menge des mit der Nahrung zugeführten Calciums deutlich überschätzt. 41 Prozent in beiden Gruppen glaubten, ein Glas Milch am Tag reiche bereits, um die Calciumlücke zu schließen - ein gefährlicher Irrtum. Nicht nur damit, sondern auch mit einem anderen weitverbreiteten Irrglauben räumte die Fachärztin Dr. Ortrun Gröschel (Coburg) im Rahmen der Wiener Veranstaltung auf. Vielfach wird (auch von Ärzten) angenommen, es reiche, die Calciumkonzentration im Blut zu messen, um eine drohende OSTEOPOROSE zu erkennen. Inzwischen weiß man aber: Ein hochsensibles Regulationssystem im Körper sorgt dafür, daß im Blut immer genügend Calcium zirkuliert. Dieser Universalbaustoff ist nämlich nicht nur für den Knochenaufbau wichtig, sondern auch für zahlreiche andere Körperfunktionen, zum Beispiel für die Übertragung von Impulsen in den Nervenzellen. Normalerweise holt der Körper sich das im Blut benötigte Calcium aus der Nahrung. Kommt da aber nicht genügend Nachschub, greift er auf das "Reservoir" in den Knochen zurück.

Bei der Kombination von knochenabbauenden und -aufbauenden Präparaten ist zu beachten, daß Calcium dem Bisphosphonat die Wirkung nimmt. Viele - vor allem betagte - Patienten sind mit der komplizierten Einnahme überfordert. Daher wurde nun eine Wochenpackung entwickelt: Am ersten Tag gibt es 35 mg Risedronat, dann für sechs Tage je 500 mg Calcium. Erste Untersuchungen bestätigten, daß die Patienten damit wesentlich besser zurechtkommen, die Fehlerquote sank deutlich.

Die inzwischen vorliegenden klinischen Studien attestieren der Kombitherapie spektakuläre Erfolgsquoten. So sank das Risiko von Wirbelkörperfrakturen im Vergleich zu Patientinnen, die nur mit Calcium behandelt wurden, innerhalb eines Jahres um 69 Prozent. Bei einer anderen Patientengruppe (70- bis 79jährige) ging das Risiko von Hüftfrakturen in drei Jahren um 60 Prozent zurück. Gerade solche Brüche aber sind mit über 10000 Euro pro Fall besonders kostenintensiv. In diesem Zusammenhang fand Prof. Felsenberg Worte, die für die Gesundheitspolitik insgesamt Gültigkeit haben sollten: Man müsse, so forderte er, nicht an, sondern mit Medikamenten sparen.





 
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